Zuchtrechtswelpen

In letzter Zeit hatten wir sehr sehr viele wirklich nette Welpeninteressenten zu Besuch. Wenn wir ihnen sagen mussten, dass wir sie leider enttäuschen müssen was eigene Welpen angeht, da die Warteliste mehr als voll ist, war die Enttäuschung natürlich groß. Wenn wir dann die Möglichkeit eines Zuchtrechtshundes ansprachen, herrschte regelmäßig Entsetzen, als ob man etwas Unmoralisches geäußert hat.

Für uns ist ein verantwortlicher Umgang mit Hunden und der ihrer Zucht, wenn alle Beteiligten (und vor allem die Schutzbefohlenen : die Hunde!!!)  möglichst keinen Nachteil in ihrem Leben erfahren müssen. Das Dilemma des Züchters besteht aus dem Spannungsfeld zwischen strenger Selektion ohne Kompromisse, der Sorge um ein gutes Leben der einzelnen Hunde und der Tatsache, dass er selber die Zahl der eigenen Hunde aufgrund der Selektion nichtzu groß werden lässt. Denn auch die eigenen Hunde haben natürlich ein Recht auf ein glückliches Leben als Familienmitglied.

Für uns persönlich bedeutet das, dass wir eigene Hunde von denen wir meinen, dass sie für die Zucht nicht geeignet sind, eben nicht abgeben, nur weil wir nicht züchten können. Die Mehrheit unserer eigenen Hunde ist nicht für die Zucht geeignet und das ist auch völlig in Ordnung so. Ausnahmen sind Hunde, die sich nicht in unserer Gruppe einfügen und Welpen bis zu einem halben Jahr von denen wir denken, dass sie sich leicht woanders einleben können ohne zu leiden.

Nun könnten wir sagen, dass wir sofort wieder aufhören zu züchten, da wir inzwischen das Haus voll haben und nicht mehr endlos Hunde behalten können aus unseren Würfen. Mancher Züchter entscheidet sich an diesem Punkt entweder doch Hunde abzugeben, oder das Leben der eigenen Hunde zu beschränken (Zwingerhaltung, weniger Beschäftigung etc.) Andere Züchter neigen eher dazu, sich die eigenen Hunde, obwohl eben NICHT überdurchschnittlich gut innerhalb der Rasse, schön zu reden (scheu= hat mal was Unangenehmes erlebt, oder beim Wocker: Knieproblem – ist bestimmt durch ein Trauma entstanden usw.) Für uns ist Beides keine Option.

Das Einstellen des Züchtens ist tatsächlich eine Möglichkeit, um mit dem Problem umzugehen. Auch das nicht Importieren von neuem Blut gehört in diese Überlegung mit hinein. Varianten, die wir immer wieder sehr ernsthaft erwägen und auch für die Zukunft auf keinen Fall ausschließen möchten.

Im Augenblick aber haben wir uns für die Variante entschieden, es mit Zuchtrechtsoptionen zu versuchen. Das beinhaltet konkret, dass sowohl vielversprechende Welpen aus den eigenen Würfen, als auch Importwelpen aus besonders guten Verpaarungen in Zuhause gegeben werden, wo sie ein ganz normales, glückliches Hundeleben führen. Nur wenn sie auch wirklich 100% unseren Anforderungen entsprechen (sowohl körperlich/gesundheitlich, als auch mental), wird überhaupt mit ihnen gezüchtet. Für die Hündin bedeutet das, dass sie kurz vor dem Decken auf unseren Namen überschrieben werden muss für die Zeit bis zur Wurfabnahme und sie insgesamt für ca 8 – 9 Wochen bei uns bleibt. Je nach Wunsch der Besitzer passiert das nur einmal im Leben des Hundes oder evtl auch ein zweites mal. (je nach Wunsch der Besitzer und Entwicklung des ersten Wurfes) Die zuchtrelevanten Gesundheitstests werden bei diesen Hunden von uns übernommen – auch bei schlechten Ergebnissen. Außerdem bekommen die Besitzer natürlich eine Vergütung für das Übelassen der Hündin für diese Zeit – es geht und schließlich nicht ums Geld sondern um diese tolle Rasse, die es verdient, dass man sie mit VERSTAND und Herz weiter züchtet.

Das Ganze beruht auf einem gewissen Grundvertrauen zwischen uns und den Welpenbesitzern und ist auch nicht für Jeden geeignet, dessen sind wir uns bewusst. Trotzdem sehen wir es als eine hundefreundliche Art, doch vernünftig mit dem Thema Selektion umzugehen und freuen uns, dass es Menschen gibt die bereit sind an dieser Sache mit zu arbeiten. Der Vorteil für den Welpeninteressenten liegt auf der Hand: auf der Warteliste landet er wesentlich weiter vorne und auch bei den evt. Importwelpen ist er natürlich derjenige, der einen nach bestem Wissen und Gewissen ausgesuchten und von uns geholten Hund bekommt. Durch die Reise und höhere Welpenpreise zahlen wir in der Regel sehr viel drauf, was wir aber auch völlig in Ordnung finden, da es sich schließlich nicht um ein Business handelt sondern im Sinne einer guten Zucht geschieht.

Viele Leute haben die Sorge, dass eine Hündin gestresst sein könnte, wenn sie hochträchtig in eine andere Umgebung kommt, aber wir können nur sagen, dass wir damit außerordentlich gute Erfahrungen gemacht haben. Die Umgebung wird für den Hund hier ruhig und entspannt gestaltet und wenn eine Hündin erstmal Welpen hat, ist sie sowieso nur noch an denen interessiert – Stress haben wir dabei noch nicht miterlebt. Im Übrigen können die Besitzer gerne zur Geburt mit der Hündin bei uns bleiben und sich selber davon überzeugen, dass alles gut geht.

Es wäre schön, wenn wir mehr Menschen hätten, die nicht gleich urteilen und schlimme Dinge vermuten, z.B. dass sie ausgenutzt werden o.Ä. , sondern sich mal Gedanken machen, WIE schwierig es ist, wirklich verantwortungsvoll zu züchten und wie sie evtl. einen eigenen Betrag dazu leisten können. Davon abgesehen ist es für uns als Züchter ein nicht gerade billiges Hobby – vor allem durch die vielen Englandreisen (ca 5 mal im Jahr) und die Tatsache, dass wir so viele Untersuchungen auch an den Welpen machen, aber auch weil wir schon einige Hunde finanziert haben, die sich als nicht zuchttauglich erwiesen haben nach den Kriterien, die wir stellen.

Sollte also Interesse an einem solchen Hund bestehen, sollte man sich nicht scheuen mit uns einmal drüber zu sprechen.

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