Adopt, don’t shop – one size fits all?

Vor einiger Zeit postete Ellen Marques vom Martin-Rütter-Team einen Beitrag, der mit „Adopt, don’t shop“ zusammengefasst werden kann. Anlass für diesen Post: Die VOX-Moderatorin Kate Kitchenham hatte öffentlich gemacht, dass sie sich einen Welpen vom Züchter (nämlich uns) angeschafft hatte. In diesem Post kritisierte Marques mit scharfen Worten, u.a. mit dem Ausdruck „Wasser predigen und Wein trinken“, Kate Kitchenhams Entscheidung.

Mich persönlich beschäftigt das Spannungsfeld zwischen Tierschutz und Zucht bzw. zwischen Tierschützern und Züchtern schon seit 40 Jahren. Den Leitsatz „Adopt, don’t shop“ kann ich unterschreiben, allerdings sollte er nur ein Leitsatz sein und nicht das alleinige Kriterium wenn es darum geht, sich ein Haustier anzuschaffen.

And here is why.

„Adopt, don’t shop“ ist absolut passend für Menschen, die normale Ansprüche an ihr zukünftiges Haustier – ich beschränke mich im Folgenden auf Hunde – stellen. Die eine gewisse Flexibilität und Toleranzbreite haben, wenn der Hund nicht die aufgrund der Einschätzung der vermittelnden Tierschutzorganisation erwarteten Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen zeigt. Diese Menschen haben dann hoffentlich das Glück bei Orgas zu landen, die seriös agieren, die die Vermittlungshunde sowie die Motive und die Ansprüche der zukünftigen Besitzer realistisch einschätzen können. Nur dann wird ein gutes Match daraus.

Ganz anders stellt sich die Situation bei Menschen dar, die ein sehr bestimmtes und gleichzeitig anspruchsvolles Anforderungsprofil an ihren Hund haben. Nehmen wir als Beispiel Berufsgruppen wie die Polizei, die Feuerwehr oder Blindenführhundeausbilder. Niemand würde diesen raten, doch einfach einen Hund aus dem Tierschutz zu nehmen. Im Gegenteil ist es allgemeiner Konsens, dass diese Berufsgruppen ein so spezielles Anforderungsprofil an ihre Hunde haben, dass sie es sich schlicht nicht leisten könnten, Hunde zu nehmen, bei denen das Risiko einer Nichteignung stark erhöht ist. Eine solche Versuch-und-Irrtum-Herangehensweise wäre übrigens auch verantwortungslos dem Tier gegenüber. 

Interessanterweise wird aber anderen Berufsgruppen genau das abgesprochen. Dies gilt sowohl für Sportler als auch für eine Kate Kitchenham. Die Ansprüche, die ihr Arbeitshund erfüllen muss, sind äußerst komplex, wie sie selber ausführlich erklärt hat: ******

Auch ohne Kamera muss dieser Hund viel leisten und auch z.B. in der Therapiearbeit funktionieren. Und zwar mit Freude. Das ist weitaus mehr, als ein „normaler“ Familienhund je leisten muss. 

Schon als Kate Kitchenham vor drei Jahren zum ersten Mal bei uns war, äußerte sie ihre Sorge, dass es sehr schwer werden würde, einen Nachfolger für ihren Knox zu finden. Viele, viele Versuche hat sie unternommen, einen passenden Hund aus dem Tierschutz zu finden – ohne Erfolg. Und so entschloss sie sich im Frühling dieses Jahres, einen Working-Cocker-Welpen von uns zu nehmen. 

Kate Kitchenham hat den für sie und die spezifischen Aufgaben passenden Hund ausgewählt. Dass sie sich weiterhin für die Adoption von Tierschutzhunden einsetzt, ist kein Widerspruch und schon gar keine Scheinheiligkeit („Wasser predigen und Wein trinken“), wie es ihr Ellen Marques vorwirft. Es zeugt im Gegenteil von Verantwortungsbewusstsein.

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