CDDY/IVDD
Dieser Artikel zum Thema CDDY/ IVDD ist KEINE wissenschaftliche Aufarbeitung, sondern – im Gegenteil – ein Versuch, eine praktische züchterische Einordnung zu machen im Hinblick auf diese genetische Disposition und auch Besitzern einen Zugang zu dem Thema zu ermöglichen. Im Text finden sich einige Links zum Thema Risiko, Entstehung etc.
Zunächst einmal was wird mit diesen Abkürzungen CDDY und IVDD eigentlich beschrieben?
CDDY beschreibt ein (retro)Gen, dass verantwortlich für eine Form der Kurzbeinigkeit in bestimmten Rassen ist und sich auf dem Chromosom 12 befindet. Es gibt viele Rassen, bei denen Hunde Träger sind oder von beiden Eltern das entsprechende Gen übertragen bekommen haben. Zu diesen Rassen zählen Dackel, französische Bulldoggen und eben auch die Cocker Spaniel (Show UND Working Cocker Spaniel). Bei diesen drei genannten Rassen ist die Zahl der Hunde, die von beiden Eltern das Gen tragen extrem hoch und die Zahl inklusive der “nur” Träger fast 100%.
Dieses Gen kann durch einen Gentest bestimmt werden – ebenso wie die Frage, ob ein Hund “nur” ein Exemplar besitzt, oder Beide. Zu der Testmethode kommt am Ende des Textes noch eine Erläuterung.
Das bedeutet, dass praktisch alle Cocker dieses Gen tragen (heterozygot, d.h. nur ein Exemplar oder homozygot, also von beiden Eltern das Gen geerbt), das möchte ich hier erläutern.
CDDY ist nicht nur ein Gen, das Kurzbeinigkeit verursacht (es gibt übrigens auch andere Gene, die das tun, die spielen hier aber keine Rolle), es sorgt auch unter Umständen für eine frühzeitige Verkalkung der Bandscheiben. Nun sollten aber Bandscheiben vor allem Dingen Eins sein: flexibel und und gelartig, um eine Pufferwirkung der Wirbelsäule zu gewährleisten und gleichzeitig sowohl Stabilität als auch Flexibilität zu ermöglichen.
Wenn diese Struktur schon in jüngeren Jahren verhärtet, dann steigt das Risiko eines Bandscheibenvorfalls. Und das führt uns zum zweiten Begriff:
IVDD (Intervertebral disc disease), oder auch: vorgewölbte Bandscheibe bis zum kompletten Vorfall oder auch Riss in der Gesamtstruktur.
IVDD ist also kein Gentest, sondern ein diagnostischer Begriff für Tierärzte, der im Grunde ein Sammelbegriff für verschiedene Bandscheibenprobleme ist. IVDD kommt in verschiedenen Graden vor, die in einem der verlinkten Videos beschrieben werden.
Man kann also festhalten, dass das CDDY Gen EIN Risikofaktor ist von Mehreren, die zu IVDD führen können. Untersuchungen haben gezeigt, dass es wohl eher dominant vererbt wird (also bereits das Tragen eines Exemplars dieses Gens zu verfrühter Kalzifizierung in den Bandscheiben führen kann). Das Risiko, an IVDD zu erkranken wird dadurch wohl ebenfalls signifikant erhöht.
Die Frage ist nun: warum erkranken so viele französische Bulldoggen und Dackel und zwar verhältnismäßig viel mehr in der Population als WCS? In England ist der Cocker die zweit meistgezüchtete Rasse – mit den Prozentzahlen von Trägern müssten doch eigentlich viel mehr Hunde erkrankt sein, oder?
Here’s the thing:
Das CDDY Gen sollte absolut nicht unterschätzt werden – aber offensichtlich spielen in der Tat noch ganz andere Einfluss- und Risikofaktoren eine entscheidende Rolle. Rassen mit einem verhältnismäßig sehr langen Rücken (wie Dackel, aber auch viele deutsche Schäferhunde z.B.) haben schon auf Grund ihrer Statik sehr viel mehr Belastung auf den Bandscheiben. IVDD im allgemeinen ist dann auch die häufigste orthopädische Erkrankung des Rückens bei Hunden. Schätzungen zeigen, dass 2-3 % aller Hunde, aller Rassen – egal ob Träger oder nicht – im Laufe ihres Lebens daran erkranken. Die Cornell Universität stellt hierbei fest, dass von den Hunden, die beide Gene tragen ca. 10% erkranken. Das klingt nach einem extrem erhöhten Risiko. Jedoch stellt dieselbe Universität auch fest, dass in den USA Dackel zwischen 40%-75% aller Fälle ausmachen (Quelle: Cornell: The American College of Veterinary Surgeons) . Diese sorgen dann auch für den extrem hohen Prozentsatz von Erkrankungen bei Trägern des Gens.
Dackel sind in den USA in der Tat wesentlich häufiger anzutreffen als Cocker Spaniel, aber auch in England, wo der Cocker Spaniel (und die übergroße Mehrheit der Exemplare sind Working Cocker Typen) extrem viel gezüchtet wird, ist DIE Rasse, die am häufigsten unter IVDD leidet, der Dackel. Gefolgt von der französischen Bulldogge.
In einer im Journal of Veterinary Internal Medicine veröffentlichten Studie ist man allerdings zu dem Schluss gekommen, dass es erstens sehr wahrscheinlich mehrere Gene sind, die das Entstehen von IVDD begünstigenund zweitens spielen einige externe Faktoren noch eine Rolle (interessanterweise erhöht viel Bewegung das Risiko beim Cocker nicht).
Wichtig ist festzustellen, dass Hunde aus Showlinien ein signifikant höheres Risiko haben zu erkranken.
Hier die sehr ausführliche Studie mit allen aufgeführten Variablen und aufgesplittet nach Show- und Working Cocker im Journal of Veterinary Internal Medicine:
IVDD IST also ein Thema in der Rasse: die Prävalenz (Häufigkeit), auch beim Working Cocker, ist höher (von 3,44% ist in der Studie im Journal of Veterinary Internal Medicine die Rede) als bei der Hundepopulation allgemein (ca 2%- 3%).
Verglichen mit den anderen Rassen, die praktisch zu 100% CDDY Träger sind, ist das allerdings bemerkenswert wenig. Das spricht für einen nennenswerten Anteil anderer Risikofaktoren, die zum Entstehen von IVDD beitragen. Man denke an die bereits erwähnte Statik des Rückens beim Dackel und die verschiedenen Missbildungen der Wirbel bei Bulldoggen.
Zusammenfassung:
WCS haben im Schnitt ein ca.1,7-fach höheres Risiko an IVDD zu erkranken, verglichen mit dem Durchschnitt der Gesamtpopulation aller Hunde. Inwieweit die Kalzifizierung an den klinischen Fällen beteiligt ist, ist nicht genau bekannt; sie begünstigt Bandscheibenvorfälle aber sicherlich. Der vorhandene Gentest beschreibt demnach einen Risikofaktor für das Entstehen von IVDD, wobei man feststellen muss, dass Hunde, die ein oder beide Gene haben, tatsächlich häufig die frühzeitige Kalzifizierung der Bandscheiben vorweisen.
Hier noch ein Video, bei dem IVDD und die Risikoerhöhung durch Kalzifizierung erkärt wird:
Zum Gentest:
Der Gentest für CDDY ist in den üblichen Testpaketen von den Firmen “Embark” und “Wisdom Panel/mydogdna” sowieso enthalten. Es wäre also nicht sinnvoll, sie komplett zu ignorieren.
Wichtig zu wissen ist, dass die Firma Embark nur einen sogenannten Markertest durchführt. Dieser Test zeigt nicht das (retro)Gen selbst an, sonder nur Marker, die die Anwesenheit dieses Gens wahrscheinlich machen. Dies führt bei Firma Embark häufig zu falschen Testergebnissen bei Hunden, die “Frei” sind oder nur ein Gen tragen. Ich habe selbst insgesamt ca. 10 Hunde neu bei “Wisdom Panel/mydogdna” testen lassen, die laut Embark “frei” oder “Träger” waren. SÄMTLICHE Testergebnisse waren inkorrekt. Möchte man für CDDY also einen aussagefähigen Test haben, sollte man eher nicht bei Embark testen.
Fazit:
CDDY is ein Gen, dass einen Risikofaktor für eine Frühzeitige Verkalkung der Bandscheiben darstellt. IVDD ist ein Sammelbegriff für das daraus resultierende klinische Symptom. Allerdings beschreibt das CCDY Gen nur einen von vielen Risikofaktoren, das jedoch im Cocker nahezu zu 100% vorkommt. Ohne Outcross ist eine vernünftiftige Selektion hin zu freien Hunden schon wegen des Genpools utopisch. Diesen Risikofaktor durch Gentests im Auge zu behalten ist aber sicherlich sinnvoll und sollte ganz besonders in Kombination mit entsprechenden Röntgenbildern des Rückens betrachtet werden, die aus zuchthygienischer Sicht sowieso zu empfehlen sind. Am aussagekräftigsten sind dies Bilder bei älteren Hunden über zwei Jahren.